Dienstag, 23. September 2008

Kids








Wie in wohl jeder Kultur, fuehrt der Weg zu den Erwachsenen ueber die Kinder. Nun ja, nicht ausschliesslich, aber es vereinfacht das Ganze. Kinder, welche noch unbeeinflusst von sozialen Normen und kulturellen Richtlinien handeln, zeigen sehr offen ihre A- bzw. Sympatien. Halten sich die Aelteren wegen ihrer Schuechternheit, Angst vor sozialen Konsequenzen und Unsicherheit gegenueber uns Fremden zurueck, so sind es immer wieder die Kinder, welche durch ihre lebhafte, freundliche, manchmal sogar etwas aufdringliche Art, das Eis brechen und Kontakt zu einem aufnehmen. Sobald sie sehen, dass man eine Kamera dabei hat, wollen sie um jeden Preis, dass man ein Foto von ihnen schiesst. Natuerlich muessen alle Freunde auch mit drauf sein. So geht es recht schnell, dass aus ein paar wenigen Kindern, sich Heerscharen um einen Tummeln. Sie fangen dann an die die wildesten Verrenkungen zu machen um aus dem Bild herauszustechen. Gar keine Frage, dass das gelungene Meisterwerk sofort begutachtet warden muss. Dabei sollte man seine Kamera schon gut im Griff haben – und das meine ich im Sinne des Wortes. Es ist nicht weiter schwierig zu erraten, dass zehn oder mehr Kinder nicht alle zur gleichen Zeit auf das kleine Display der Kamera schauen koennen. Nichts desto trotz haelt dies keinen ab, es dennoch zu versuchen. Da wird gezogen, geschupst und gedraengelte. Handkontakt zur Kamera ist dabei ein muss fuer jedes Kind. Dabei wird gelacht, gekichert und sich beim Anblick des eigenen Gesichts gefreut. Woher diese Freude kommt, dieser schon fast Wahn fotografiert zu werden, ist mir immer noch ein Raetsel. Dies sind jedoch die Momente, in welchem man von den Erwachsenen gebeten wird, ihr Haus zu besuchen, ihren eigenen kleinen Hindu-Schrein zu begutachten oder einfach nur ein Gespraech angefangen wird. Packt man dann noch seine paar wenigen Worte Cannada aus, ist das Eis gebrochen. Ein Hurra auf die digitale Fotografie



Montag, 15. September 2008

The Golden Temple

















Am Freitag Abend, nachdem wir das Programm von FSL India gespannt verfoglt haben, machten Corny und ich uns auf den Weg, natuerlich nicht ohne ausreichend zu Abend gegessen zu haben, nach Bylakuppe. Wir nahmen den Nachtbus nach Madikeri. Die Fahrt war recht entspannt. Nachts zu reisen ist so angenehm. Man kann schlafen, verschwendet keine Zeit und kommt frisch und munter am Zielort an - soweit die Theorie. Die Fahrt war schon recht angenehm, aber an erholsamen Schlaf war nicht zu denken. Regelmaessig wurde man durch Schlagloecher wach geruettelt, und wenn man frueh um 3, im kalten Regen der Hochebene, wenn keine Menschenseele unterwegs ist sich versucht zurecht zu finden, dann sieht so die Praxis aus. Aber hey, genau dass ist doch der Spass an der Sache. Wie so oft, war der erste Anblick eines Einheimischen eine Kuh. Friedlich unter dem Schutz eines Daches vor sich hin doesend. Von Joy, einem Mitarbeiter von FSL, hatten wir einige Info's, was sich lohnt in Madikeri zu besichtigen. So liefen wir durch die dunkle Nacht, kalt, nass und hungrig um uns unter anderem den Raja Seat - ein einfacher Zement-Klotz und Gadduge - eine alte muslimische Grabstaedte - anzusehen. Der Tag brach an und wir waermten uns mit einem heissen Chai. Um etwas Landschaft zu sehen, machten wir uns auf den Weg zu den Abbi Falls. Wir folgten den Schildern solang dies moeglich war und bogen dann irgendwann in den Regenwald ab. Nach weiteren 30 Minuten bemerkten wir, dass wir nicht die einzigen waren, welche sich um diese Zeit auf den Weg machten - wir hatten Gesellschaft. Viele kleine Blutegel fuhren per Anhalter auf unseren Fuessen mit. Frei nach dem Motto - wer nicht zahlt, faehrt nicht mit - schnippsten wir die Hitchhiker davon und kehrten auf den Weg zurueck, denn offensichtlich kamen wir so nicht zu den Faellen. Wir folgten wieder der Strasse und kamen nach weiteren 30 Minuten zu einem betonierten Weg - zu den Faellen. Nach einer kurzen Fotosession mit den Einheimischen - wir waren die Attraktion - gings weiter. Sie warnten uns noch vor den Blutekeln und zeigten uns wie man sie mittels einer Zigarette vom Koerper loesen konnte - diese Info erreichte uns leider zu spaet. Die Faelle selber waren weniger beeindruckend - halt Wasser, welches ueber einen Stein nach unten faellt. Fuer den Rueckweg zeigten uns die Einheimischen eine Abkuerzung. Ueber einen klitschigen, nassen und faulen Baumstamm, welcher ueber einen Fluss fuehrte begann der Rueckweg. Von kurz war keine Spur. Nach 8 Stunden Fussmarsch kamen wir wieder um 11 Uhr in Madikeri an - erstmal essen. Danach ging es mit dem Bus weiter nach Kushalnagar. Joy gab uns auch eine Adresse in welcher wir schlafen konnten. Fuer 150 Rupee pro Nacht pro Person buchten wir uns ein Zimmer. Ohne grossen Aufenthalt ging es gleich mti der Riksha weiter nach Bylakuppe, zum Goldenen Tempel. Auf einem kleinen Huegel, zwischen Maisfeldern gelegen, ragte der Tempel. Den Weg saeumten einige Gebetsfahnen und die Anzahl der in weinrot udn orange gekleidetebn Moenche nahm stark zu. Der Tempel selber wirkte wie eine grosse Wohnsiedlung - was er ja auch letztendlich war. Die Tempel waren atemberaubend. Mit viel Hingabe, Fantasie und Mut zu bunten Farben wurden sie von den vertriebenen, im Exil lebenden Tibetern erbaut. Der Haupttempel war eine einzige grosse Halle, nur Matten und kleine Tischchen bedeckten den Boden. Am Ende ragten 3 riesige Buddha-Statuen empor, komplett in Gold gehuellt. An den Saeulen wanden sich schlangenaehnliche Drachen zur Decke empor, alles in schillernden Farben. Die Waende waren mit unzaehligen Bildnissen von Buddha bemalt und Voegel flogen unbeschwert durch den grossen Saal. Der Tempel oder die G\gesamte Anlage hatte ihre ganz eigene Atmosphaere. Im Gegensatz zu Indien war sie asolut sauber. Der Rasen sah frisch, kuschelig weich und herrlich gruen aus. Kleine tibetische Novizen vertrieben sich die Zeit mit komplizierten Murmelspielen oder spielten Fange mit einem Seil - ueberall konnte man ihr Gelaechter hoeren. Als wir so im Tempel sassen und einfach die Ruhe genossen, stroemten 1000-de Moenche in den Saal. In einer disziplinierten Weise setzte sich jeder auf seinen, ihm zugewiesenen Platz - dann Ruhe - langsam begannen die Trommeln an zu schlagen und tibetische Texte wurden von allen synchron rezitiert. Unterbrochen von grossen und kleinen Trommeln - dauerte die Prozedur wohl mindestens eine Stunde - wir blieben nicht bis zum Schluss. Aber wie in jedem Unterricht, gibt es auch unter den Moenchen die Luemmel von der letzten Bank. Da gab es den Schleimer - dieser rezitierte nur dann mit, wenn der Lehrer an ihm vorbei schreitete. Um zu zeigen wie gut er dabei war, schrie er foermlich die Worte nur so raus. Dann waren da noch die Rabauken - sie bewarfen andere mit Papierschnipsel und klauten sich gegenseitig die Gebetstrommeln. Meistens zielten ihre Geschosse auf die Schlaefer, welche den Kopf auf die kleine Holzbank vor ihnen legten und einfach schliefen. Ob Moench oder nicht - Schule macht wohl keinem so richtig Spass - selbst wenn die grosse Abschluss-Pruefung Nirvana heisst.
Nachdem wir uns eine kleine Tasche gekauft hatten, um nicht immer mit unseren europaeischen Rucksaecken durch die Gegend zu laufen, nahmen wir das Abendessen im Tempel ein - Nudeln mit Suppe - lecker. Vollkommen fertig machten wir uns dann wieder auf den Weg ins Hotel. Auf den Weg wurden wir noch Zeuge wie ein Mann einem Moench die Faust ins Gesicht schlug. Unser Rikshafahrer eilte zu Hilfe. Wir stiegen aus, um noch einen kleinen Spaziergang zu machen - wir blieben in einer Juice-Bar haengen. Endlich im Hotel - Tod fielen wir in unsere Betten.
Der naechste Morgen begann um 6.30. Die Sonne lies Nebel aus dem Regenwald aufsteigen und huellte die Stadt in einen beschuetzenden Schleier. Ich verschwand im Bad. Als ich ins Zimmer zurueck kam, kniete Cornz ueber einen Eimer und erleichterte seine Blase - wie auch ich musste er dringend auf's Klo - ich hatte das Glueck schneller zu sein. Ohne grossen Aufenthalt verliessen wir das Zimmer assen Fruehstueck und fuhren wieder zum Tempel. Wieder genossen wir die Atmosphaere und informierten uns ueber die Moeglichkeit fuer eine Woche im Kloster zu leben, zu lernen und zu meditieren und fanden heraus - auch Kloster haben ein Buero, eine Sekretariat und Computer - die Moderne macht vor nichts halt. Langsam wurde es knapp - wir fuhren zurueck zum Hotel, packten und spurteten zum Bus nach Madikeri um den Bus zureuck nach Kundapur um 12 Uhr zu erreichen - die Fahrt dauert 7 Stunden. Nachdem es mittlerweile 13 Uhr war und immer noch kein Bus kam, erfuhren wir, dass der Bus nicht fahren wird. Ab ins Restaurant und erstmal was essen. Wir musste also den Bus nach Mangalore nehmen und dort umsteigen. Die Fahrt dauerte 6 Stunden und ich sass neben einem sehr dicken Inder - dementsprechend bequem war auch meine Sitzposition. Endlich eingeschlafen, traeumte ich davon fliegen zu koennen. Einfach schwerelos zu schweben und der Gravitation ins Gesicht zu lachen - bald merkte ich - es war kein Traum. Ich wachte gut einen Meter ueber meinem Sitz schwebend auf. Grund dafuer war das Schlagloch, welches der Bus aus voller Fahrt soeben passierte und uns alle noch oben katapultuierte. Schmerzhaft schlug ich auf den Sitz auf - aufgewacht. Die hinteren Plaetze sind in indischen Bussen sehr unbeliebt und ich wusste nun warum. Die besten Sitze befinden sich einfach in der Mitte. Endlich in Mangalore angekommen, stiegen wir sofort in den Bus nach Kundapur. Es war heiss, stickig und schwitzende Leute sassen neben einen. Die Fahrt dauerte 2,5 Stunden. Stand der Bus war die Luft kaum zum aushalten, die frische Brise der Fahrt fehlte einfach, um den Luftaustausch zu gewaehrleisten.
Ednlich in Kundapur - es war 22 Uhr und alle Restaurants haben geschlossen. Zum Glueck fand ich noch eins und schlang mir den Kokusnuss-Lemon-Reis nur so hinter. Zurueck in meinem Haus stellte ich fest, dass sich ueber das Wochenende eine flaechige Schimmel-Pilz-Decke ueber meinen gesamten Rucksack ausgebreitet hatte - soviel zum Thema schnell ins Bett. Ich wusch den Rucksack und meine dreckigen Hemden und viel 23 Uhr Tod ins Bett.
Heute Abend geht es nun nach Bangalore um morgen weiter nach Gauribidanur zu fahren. Bin ja mal gespannt. Die Fahrt findet in einen sogenannten Sleeper-Bus statt. Ein Bus mit Schlafliegen.
Soweit fuer heute. Melde mich wieder aus meinem Projekt.

LG, euer Mischa

Montag, 8. September 2008

Kundapur...






... liegt an der Westkueste Indiens auf Hoehe von Bangalore und ist momentan noch der Ort, an welchem ich mich zur Zeit aufhalte. Die erste Woche ist vorbei und alle sind inzwischen in Ihren Projekten. Mein Projekt startet naechsten Dienstag, d.h. ich werde am Montag nach Bangalore fahren und im Main-Office einen Tag verbringen bzw. schlafen und mir noch etwas die Stadt anschauen. Heute begann der Tag mit einem kleinem Workout, duschen aus dem Eimer und einem leckeren Fruehstueck - Idly mit Curd - sogenannte Reisplaetzchen mit Sosse und natuerlich leckerem Chai. Gestern Abend durften wir dem Ganesha Festival beiwohnen, was sehr spannend war. Ganesha ist ein Hindu-Gott mit Elefantem Kopf und der Beschuetzer von allem. Waehrend der Woche haben wir sehr viel ueber die Religion gelernt (leider noch zu wenig), uns dem leckeren indischen Essen hingegeben und uns die Gegend angeschaut, erste Freundschaften mit den Einheimischen geschlossen und viel, viel Chai getrunken. Morgen fahre ich mit Arawind zu einem Priester, welcher das gleiche hier macht, was ich in meinem Projekt machen soll. So kann ich mir schon einmal ein paar Eindruecke holen und ein paar Anregungen holen. Ansonsten geht`s mir super gut. Die Leute sind wahnsinnig nett, das Essen schmeckt wie gesagt sehr lecker und die Landschaft, Tempel und Staedte sind fantastisch. Zur Zeit regnet es wie aus Kuebeln.

Mathe Sigua

Sonntag, 7. September 2008

Namaste...



.... so begrüßt man sich hier. Die Sprache nennt sich "Cannada" und "Namaste" heißt so viel wie "Guten Tag".
Zu aller erst einmal - mir gehts super gut. Bin total von der indischen Kultur üerwältigt, vielleicht gerade wegen ihrer Andersartigkeit. Aber was ist an Indien so anders? Hier ein paar kulturelle Unterschiede.
Der wohl herausragenste Unterschied ist die Benutzung der Toilette. Es ist nicht das Loch im Boden, nicht das Hinhocken, nicht das Spülen mit dem Eimer - es ist die Tatsache, dass man kein Klopapier benutzt. Den ersten Tag klammert sich noch an dieses Relikt unserer Kultur, aber dies wird bald zur lästigen Problematik. Man kann das Klopapier nicht runterspülen, da sonst das Klo verstopfen würde, deswegen müsste man es in Plastikbeuteln sammeln und dann wegschmeissen - bei der Hitze eine eklige Sache. Von den innerlichen Zwängen ganz zu schweigen, welche man Besitzt, die Angst auf's Klo zu müssen und kein Klopapier dabei zu haben. Die indische Methode ist da wesentlich besser. Man lässt einfach Wasser über den Hintern fließen und putzt sich mit der linken Hand sauber. Und zur Überraschung ist es echt hygienisch. Man wäscht sich die Hände und gut ist. Aus diesem Grund ist die linke Hand die unreine und wird zum essen nicht benutzt.
Auch an die regelmäßigen Stromausfälle gewöhnt man sich hier. Manchmal sitzt man auch im Dunkeln auf dem Klo. Man duscht aus einem Eimer und der Müll landet auf der Straße. Müllabfuhr oder Mülleimer kennt man hier nicht. Die Kühe kümmern sich darum. Religion ist hier ein großes Thema. Ob Jung oder Alt, alle sind gläubig. Vielleicht kommt auch daher die Gastfreundschaft, dass man im Restaurant bestellt und die Rechnung auf's Haus geht, einfach um Fremden ein Geschenk zu machen, oder man in die Familie eingeladen wird, um ihren persönlichen Altar zu besichtigen. Wasser aus dem Hahn sollte man nicht trinken, und beim kauf einer Wasserflasche darauf achten, dass der Verschluss frisch ist. Auch gibt es hier 3 warme Mahlzeiten die richtig lecker schmecken. An das langsame Reisen gewöhnt man sich schnell. So braucht man z.B, für eine Strecke von 450km 12 Stunden. DasBeste aber ist, dass alles so billig ist. Seine Hemden lässt man eigens anfertigen. Man kauft Stoff, geht zum Schneider, lässt sich vermessen und holt 2 Tage später sein fertiges Hemd ab - für 6 Euro. Die Frauen müssen sich hier absolut bedecken. Auch Händchenhalten auf der Straße ist verboten. Frauen und Männer sind im Bus streng getrennt. Der Straßenverkehr ist absolut chaotisch und man sieht so manchmal ein Auto auf sich zurasen. Aber alles scheint im großen Planspiel berechnet zu sein. Tiere wie Ziegen, Kühe und viele Hunde laufen hier frei rum. Mensch und Tier leben Seit an Seit. Auch an das heiß-schwüle Klima gewöhnt man sich. Die Körpersprache ist auch komplett anders, so bedeutet ein seitliches Kopf-Wackeln soviel wie "Ok". Man sieht es ständig. Die große Leidenschaft der Inder ist es, sich fotografieren zu lassen. Sie stellen sich richtig in Pose und wollen dann die Bilder besichtigen. Besonders die Kinder - man muss schon auf seine Kamera aufpassen. Bei den Preisen ist vorsicht geboten, nur zu oft wird man versucht übers Ohr gehauen zu werden. Back to the roots - auch beim Wäsche waschen, denn die wäscht man hier noch per Hand. Das ist Indien, das ist ihre Kultur. Hoffe ich konnte euch einen Eindruck vermitteln. Ich liebe es und genieße zur Zeit jeden Moment, denn jeder ist gespickt mit kleinen Erlebnissen.

Mathe sigua - Bis später