Mittwoch, 10. Dezember 2008

Vipassana



„Vipas-haeeh, bitte was?“, mag sich der ein oder andere fragen. Vi-pas-sa-na – ganz einfach, wie man’s schreibt. “Kann man das essen?“ Ich glaube wohl kaum. Vipassana beschreibt eine buddhistische Meditationsform und zugleich eine der aeltesten Meditationstechniken Indiens. Ueber laengere Zeit war diese Technik fuer die Menschheit verloren. Doch sie wurde durch Buddha Gotama wiederentdeckt, vor ueber 2500 Jahren. Dabei bedeutet das Wort „Vipassana“ ungefaehr soviel wie, „die Dinge so zu sehen wie sie sind“. Ein hoch gestecktes Ziel – durchaus, aber auch hoch gesteckte Ziele sind letztendlich erreichbar. Und wer behauptet eigentlich, dass wir die Dinge momentan nicht so sehen wie sie sind? Um diese Frage umfassend zu beantworten, beduerfte es einer langen Erklaerung. Hier sei jedoch so viel erwaehnt: Jeder kennt das Gefuehl, dass ihm eine scheinbar unangenehme Situation letztendlich hilfreich war. Doch in dem Moment war es uns unmoeglich dies zu erkennen. Wir haben die Situation, die Ereignisse eben nicht so gesehen wie sie sind – naemlich hilfreich, sondern haben sie vollkommen falsch eingeschaetzt. Auch erhoffen wir uns oft durch den Erwerb weltlicher Gueter mehr Glueck zu erlangen. Als ich mir eine neue Digitalkamera zulegte, verspuehrte ich ungeheure Freude. Endlich konnte ich gute Bilder von mir wichtigen Momenten schiessen. Doch schon bald begann der Aerger. Peinlichst genau passte ich auf, dass der Kamera nichts passierte, denn schliesslich war sie teuer gewesen und ausserdem wird sie mir viele schoene Momente bereiten, spaetestens dann, wenn ich die gelungenen Aufnahmen bewundern werde. So begann der Prozess der Anhaftug. Mein Geist klammerte sich an die Kamera und hielt sie fuer die Ursache schoener Momente – von Glueck. Fasste jemand ungefragt meine Kamera an wurde ich wuetend. Wusste ich nicht wo ich sie verstaut hatte, wurde ich aengstlich sie verloren zu haben. Mein Geist sah eben nicht vor dem Kauf der Kamera, die Dinge wie sie sind. Das naemlich diese Kamera mich auf laengere Sicht nicht gluecklicher machen wuerde, sondern nur mit mehr Leid beschmutzen wuerde. Das gute daran ist jedoch, alles spielt sich im Kopf ab, es sind meine Gedanken, meine Anhaftung. Also habe auch ich die Moeglichkeit diese zu veraendern. Um erneut Situationen wie diese vermeiden zu koennen, ist es eben notwendig die Natur der Dinge zu erkennen, ob sie leidvoll oder glueckbringend sind. Zu diesem Zweck wurde die Methode der Vipassana entwickelt.
Vipassana ist also der Prozess der Selbstreinigung, denn nicht alles laesst sich mit Wasser und Seife beheben und benutzt dabei das Mittel der Selbst-Beobachtung. Zuerst faengt man an, sich auf den natuerlichen Atem zu konzentrieren und diesen zu beobachten. Mit der so gewonnenen geschaerften Aufmerksamkeit faehrt man fort, und betrachtet nun die veraendernde Natur von Koerper und Geist. Ich hoffe es werden noch detailiertere Anweisungen waehrend des Kurses folgen, denn soweit kann ich herzlich wenig damit anfangen. Als Folge daraus, so die Theorie, soll man die universelle Wahrheit von Unbestaendigkeit, Leiden und dem nicht-vorhandensein eines Ich’s erfahren. All diese Zustaende sind eng mit der oben beschriebenen Anhaftung verbunden. Wir glauben, dass ein einst guter Zustand ewig dauern wird, dass z.B. die Beziehung zu einem Menschen von Dauer ist. Aber das ist eine Illusion. Menschen aendern sich, Situtionen aendern sich und selbst wenn man eine glueckliche Beziehung fuehrt, so wird sie eines Tages enden. Spaetestens mit dem Tod eines Partnes. Und wieder ist es in diesem Moment die Anhaftung, welche uns Leiden laesst. Laut buddhistischer Weltsicht leidet man, so lange, wie man sich im Kreislauf der Wiedergeburt – Samsara - befindet. Und dies hat ebenfalls etwas mit Anhaftung zu tun. Denn solange wir glauben, innerhalb von Samsara Glueck zu erfahren, werden wir nicht daraus ausbrechen wollen. Wieder pflegen wir unsere Anhaftung – diesmal an Samsara. Grund dieser Anhaftung ist immer unsere verblendete Sichtweise. Durch die Vipassana-Meditation versuchen wir, sie zu beenden. Diese Realisation der Wahrheit durch die unmittelbare Erfahrung ist der Prozess der Reinigung. Denn um nachhaltig seine Gedanken und somit sein Wesen zum positiven zu veraendern ist es von allergroesster Wichtigkeit, intellektuell gewonnene Erkenntnisse zu spueren, sie in sein Bewusstsein einzuarbeiten. Schlaue Lebensweisheiten reisen kann jeder, ich bin ein gutes Beispiel dafuer, jedoch danach leben, das koennen die wenigsten,auch hier bin ich wieder der beste Beweis. Zwischen Theorie und Praxis ist eben ein himmelweiter unterschied, oder man ist schlichtweg zu bequem. Als ausgebildeter Physiotherapeut muesste ich wissen, wie wichtig die Aufwaermung vor dem Sport ist. Doch jedesmal bevor es ans Stemmen von Gewichten ging, lies ich das Ergometer links liegen und machte mich schleunigst unters Eisen. Dennoch empfahl ich es all meinen Patienten.
Zu diesem Thema faellt mir nur ein Spruch von Erich Kaestner ein – seht Ihr, schon wieder ein schlauer Spruch – und zwar folgender: „Es gibt nichts gutes, ausser man tut es.“. Nicht das Erwerben von intellektuellem Wissen um eine Phrase nach der anderen zu dreschen, um Allen zu beweisen, was fuer ein ausgezeichnetes Verstaendnis der Welt man doch hat, um bei philosophischen Diskussionen nicht unterzugehen und womoeglich noch seine Mitmenschen von der Richtigkeit seiner eigenen Ansichten zu ueberzeugen, geht es. Es geht ums Leben, um Verinnerlichung.
Was ist besser, in einem Buero der Universitaet zu sitzen und ueber die bessere Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens zu philosophieren, oder weniger darueber zu reden, sondern einfach zu helfen. Auf die Strasse gehen, mit anpacken sollte das Ziel sein. Sicherlich ist es unablaesslich sich vorher darueber Gedanken zu machen. Insofern ist es durchaus gerechtfertigt sich in ein Buero zurueck zu ziehen und in Ruhe einen Plan zu schmieden. Doch dabei darf es nicht bleiben. Um eine authentische Person zu sein, sollte man das leben, was man vertritt, und das vertreten was man lebt. Hat man sich also theoretisch die Vorteile der Vipassana-Meditation vor Augen gefuehrt und diese als richtig und fuer einen gut befunden, so muss diese angewendet werden. Es reicht nicht nur wiedergeben zu koennen, was sich dahinter verbirgt, denn so bleibt alles beim Alten, und man laesst sich die Nuetzlichkeit dieser Technik durch die Lappen gehen. Der gesamte Pfad ist letztendlich ein universelles Hilfsmittel, eine Art Azneimittel fuer alle moeglichen Arten von Problemen und hat nichts mit organisierter Religion oder Sektentum zu tun. Aus diesen Gruenden kann es frei von Jedermann praktiziert werden, zu jeder Zeit, an jedem Ort, ohne in Konflikt mit Herkunft, der Gemeinschaft oder Religion zu kommen. Diese Technik wird fuer jeden dienlich sein – ohne Ausnahme.
Um den Verdacht, einer Sekte zum Opfer zu fallen, wie es gerne in westlichen Laendern an dieser Stelle vermutet wird, moechte ich ein paar Gegenargumente aufzaehlen. Zum einem ist die Teilnahme voll und ganz freiwillig. Man wird nicht eingeladen oder angesprochen. Man hoert zufaellig von dieser Methode, durch z.B. andere Backpacker, und begibt sich, wie in meinem Fall, mittels des Internets auf die Suche nach einem geeigneten Zentrum. Oder man mobilisiert alle Bekannten, die Ohren fuer einen offen zu halten. Die erste Kontaktaufnahme geschieht von einem Selbst aus. Im Vorfeld kann man sich ausreichend mit dem Thema beschaeftigen, und erst nachdem man zu dem Entschluss gekommen ist, dass dies das richtige fuer einen ist – sofern man das beurteilen kann, denn man sieht ja noch nicht die Dinge wie sie sind – bestaetigt man die Teilnahme. Jederzeit steht es einem frei zu gehen, ohne der Androhung von Sanktionen. Auch die Bitte, eine Spende in beliebiger Hoehe zu einer beliebigen Zeit zu entrichten, klingt fuer mich alles andere, als nach einer Sekte.

Aber Ihr wisst ja immer noch nicht so recht, was es denn nun mit diesem Verfahren auf sich hat? Hier eine kleine Uebersicht.

Betrachten wir zuerst, was Vipassana nicht ist:
• Es ist kein Ritual, welches auf blindem Glauben basiert
• Es ist weder eine intellektuelle, noch eine philosophie Unterhaltung
• Es ist keine Wellness-Kur, kein Urlaub und keine Moeglichkeit zur Sozialisation
• Es ist keine Flucht vor den Problemen des taeglichen Lebens

Und kommen wir nun zu dem, was Vipassana ist:
• Es ist eine Technik, die das Leiden, im buddhistischen Sinne, verringern wird
• Es ist eine Kunst zu Leben, welche jeder benutzen kann um einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen
• Es ist eine Methode zur mentalen Reinigung, welche es einem erlaubt die Probleme des Lebens mit ruhiger Gelassenheit anzugehen

Die Vipassana Meditation zielt auf die hoechsten spirituellen Ziele ab, naemlich den, der totalen Befreiung und der vollen Erleuchtung – beides Dinge, die ich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht anstrebe. Mir reicht es voll und ganz ausgeglichen und gluecklich zu sein – das sind die Ziele welche ich verfolge.
Es ist nicht anliegen dieser Methode irgendwelche physischen Probleme bzw. Krankheiten zu beseitigen., jedoch kann es durchaus sein, dass als Nebenprodukt der mentalen Reinigung, einige psychosomatischen Stoerungen verschwinden werden.
Im wesentlichen loescht Vipassana die drei Gruende aus, welche als Ursache zum Ungluecklichsein angesehen werden: Anhaftung, Ablehnung und Unwissenheit.
Behaelt man diese Praxis bei, so wird die Meditation die Spannungen, welche sich im Alltag aufbauen sowie die Knoten loesen, welche durch alte Gewohnheiten geknuepft wurden, indem man in einer unausgegelichenen Art und Weise auf angenehme und unangenehme Situationen reagierte.
Obwohl Vipassana als eine Technik des Buddhas entwickelt wurde, ist derer Anwendung nicht auf Buddhisten beschraenkt. Es ist absolut und unumstritten keine Frage der Konvertierung.
Die Idee, die dahinter steckt, ist die, dass alle Menschen letztendlich die gleichen Probleme zu bewaeltigen haben. Somit kann eine Technik, die genau da ansetzt, von jedem angewendet werden.
Menschen aus den verschiedensten Religionen habe die Vorteile dieser Meditation erfahren und dies ohne mit ihren Wertvorstellungen in Konflikt zu treten.
Ein wichtiger Bestandteil der Technik, wenn nicht sogar die Technik selber ist die Meditation und Selbstdisziplin.
Der Prozess der Selbst-Reinigung durch Einsicht, eine Sichtweise die nach Innen schaut, ist niemals einfach. Praktizierende muessen sehr hart daran arbeiten.
Aber nur durch die eigene Anstrengung kann man diese Realisation, die Dinge so zu sehen wie sie sind, erreichen. Wer soll einem dabei helfen? Aus diesem Grund ist diese Art der Meditation nur fuer diejenigen von Nutzen, die aufrichtig bereit sind, an sich zu arbeiten und diszipliniert sind. Dies ist zum Schutz des Meditierenden und als Teil der Praxis anzusehen.
Zehn Tage sind freilich eine kurze Zeit in welcher man zu den tiefsten Ebenen des Unbewusstseins vordringen soll und zu lernen wie man damit umgeht. Das Geheimnis des Erfolges liegt in der Kontinuitaet der Praxis. Dazu wurden Regeln und Vereinbarungen getroffen, die einen stets daran erinnern sollen. Sie sind nicht dafuer gedacht, dem Lehrer einen gefallen zu tun oder um diesem zu dienen. Weder noch sind es negative Auslaeufer von Traditionen, Orthodoxitaet oder blindem Glauben, wie vielleicht vermutet. Viel mehr basieren sie auf , ueber die Jahre gewachsenen, Erfahrungen von tausenden von Meditierenden, die sich auf wissenschaftliche und rationale Gruende zurueckfuehren lassen. Das strikte Einhalten der Regeln fuehrt somit zu einer optimalen Atmosphaere fuer die Meditation. Hingegen das brechen dieser schadet ihr nur. Ein Schueler muss fuer die gesamte Zeit des Kurses bleiben (dies ist jedoch nur eine sinnvolle Regel und kein Zwang, da es aber aus eigenem Interesse strengstens empfohlen wird, verwendet man die Formulierng „muss“, um die Wichtigkeit zu unterstreichen – man kann jederzeit gehen). Um dies zu gewaehrleisten, sollte man sich im Vorfeld mit den Regeln vertraut machen, und mit sich in den Dialog treten, ob man bereit ist und auch faehig, sowohl koerperlich als auch geistig, diese einzuhalten.
Letztendlich sollen nur diejenigen, welche ernsthaft bereit sind den Regeln zu folgen, sich fuer einen Kurs anmelden. Alle anderen werden nur ihre Zeit verschwenden und darueber hinaus noch die anderen stoeren, welche ernsthaft an sich arbeiten moechten.
Des weiteren sollte ein Schueler wissen, dass es von keinem Vorteil und sogar in keinster Weise ratsam ist, den Kurs vorher abzubrechen, aufgrund der Tatsache, dass man die Regeln als zu hart erfaehrt. Sollte man wiederholt gegen die Regeln verstossen, so kann es durchaus passieren, dass man hoeflichst gebeten wird, den Kurs zu verlassen.
Wir haben oben erwaehnt, dass diese Methode fuer jeden, ohne Ausnahme, von Nutzen sein wird. Doch stimmt dies wirklich? Was ist mit Menschen, welche unter psychischen und ernsthaften mentalen Stoerungen leiden?
Menschen mit psychischen Problem sind tatsaechlich des oefteren zu Vipassana-Kursen erschienen, mit der unrealistischen Erwartung, dass die Methode sie von ihren mentalen Problemen befreien wird. Unstabile interpersonelle Beziehungen und eine Vielzahl von Behandlungen in der Vergangenheit, koennen zusaetzliche Faktoren dafuer sein, dass der Nutzen der Methode erschwert wird, oder es sogar unmoeglich ist, die vollen zehn Tage durchzuhalten.
Die Kapazitaet der Einrichtung, welche auf freiwilligen Basis gefuehrt wird, laesst es nicht zu, in angemessenem Masse fuer diese Menschen zu sorgen. Obwohl die Vipassana-Meditation fuer viele Menschen von Nutzen ist, ist es kein Ersatz fuer medizinische und psychologische Behandlungen, und wird daher in keinster Weise fuer Menschen mit ernsthaften psychologischen Problemen empfohlen. Ihnen sei angeraten sich besser bei einem entsprechendem Arzt zu melden.
Um also sicher zu gehen, dass fuer alle ein bestmoeglichstes Ergebnis erzielt werden kann, wurden einige Regeln aufgestellt. Sie werden hier mit dem militaerisch klingenden Titel „The Code of Discipline“ bezeichnet.
Die Grundlage der Praxis bildet der “Lebenswandel” – „sila“. Sila wiederum bildet die Basis um „samadhi“ – die Konzentration des Geistes – zu entwickeln. Letztendlich erfolgt die Reinigung des Geistes durch die Sicht nach Innen, auch „panna“ genannt.
Um einen reibungslosen Ablauf des Kurses zu gewaehrleisten, gibt es natuerlich auch Gebote. Alle, welche an einem Vipassana-Kurs teilnehmen, muessen sich strengstens an die folgenen 5 Regeln halten:
• Nicht zu toeten
• Nicht stehlen
• Keine sexuellen Aktivitaeten
• Keine Luegen erzaehlen
• Keine Einnahme von Intoxitantien

Darueber hinaus gibt es noch drei weitere Vorschriften welche fuer Schueler, die bereits einen Kurs absolviert haben, gelten:
• Kein Essen nach 12 Uhr nachmittags
• Keine sinnliche Unterhaltung oder Koerperschmuck
• Keine hohen oder angenehmen Betten benutzen

Deswegen wird es fuer diese Schueler nur Kraeuter Tee oder Frucht-Saft in der 5 pm Pause geben, wohingegen neue Studenten durchaus Tee mit Milch und einige Fruechte zu sich nehmen koennen. Dennoch kann der Lehrer diese Regeln aus gesundheitlichen Gruenden aufheben.
Der Zeitplan ist durchaus straff und laesst schon jetzt schlussfolgern, dass es sich um alles andere als Urlaub handeln wird. Er wurde aufgestellt, um die Kontinuitaet der Praxis zu gewaehrleisten und um die besten Ergebnisse zu erzielen, sind die Schueler dazu angehalten, diesen so streng wie moeglich einzuhalten. Hier der straffe Zeitplan, bei welchem mir schon im Vorfeld schwindlig wurde. Man beachte die unchristliche Zeit des Aufstehens Oder muesste es hier "unbuddhistische" Zeit heissen?

4 am Morgedlich Glocke zum aufwecken
4:30 – 6.30 am Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
6:30 – 8:00 am Fruehstuecks-Pause
8:00 – 9:00 am Gruppenmeditation in der Halle
9:00 – 11:00 am Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
11:00 – 12:00 noon Mittagspause
12:00 noon – 1:00 pm Ruhepause und Gespraeche mit dem Lehrer
1:00 – 2:30 pm Meditation in der Halle oder im eigenen Zimmer
2:30 – 3:30 pm Gruppenmeditation in der Halle
3:30 – 5:00 pm Meditation in der Halle oder dem eigenen Zimmer
5:00 – 6:00 pm Tee-Pause
6:00 – 7:00 pm Gruppenmeditation in der Halle
7:00 – 8.15 pm Lehrer Diskurs in der Halle
8:15 – 9:00 pm Gruppenmeditaion in der Halle
9:00 – 9:30 pm Fragestunde in der Halle
9:30 pm Rueckzug ins eigene Zimmer – Lichter aus - Zapfenstreich

Ein hartes Programm. Fuer die Menschen, so wie ich, die Statistiken lieben, hier nochmal die Fakten im Ueberblick:

• 12 Stunden Meditation am Tag (11,75 um genau zu sein)
• kuerzeste Sitzung 45 Minuten
• laengste Sitzung 4 Stunden
• 6 Stunden Schlaf – der wohl haerteste Teil fuer mich

Das ganze ist also nicht nur eine geistige, sondern auch eine koerperliche Herausforderung. Ob man sich das gut ueberlegt hat, wird sich hinterher zeigen. Wohl kaum jemand, kann die Anforderungen im Vorfeld abschaetzen.
Um weiter den reibungslosen Ablauf zu ermoeglichen und Komplikationen zu vermeiden, sollte man den Lehrer und die Technik respektieren.
Teinehmer muessen sich dazu bereit erklaeren waehrend des gesamten Kurses den Richtlinien des Lehrers zu folgen, was beinhaltet, sich an die Regeln zu halten und genauso zu meditieren, wie es der Lehrer verlangt, ohne auch nur einen Teil der Aufforderung zu ignorieren oder etwas hinzuzufuegen.
Dies hat nichts mit blinder Unterwerfung zu tun, sondern viel mehr mit Verstehen.
Nur mit dieser Einstellung von Vertrauen kann der Schueler emsig und gewissenhaft arbeiten und dieses ist von essentieller Bedeutung fuer den Erfolg der Meditation.
Das nicht hinzufuegen bedeutet auch, andere Techniken und Rituale su unterlassen.
Somit ist es waehrend des Kurses absolut unumgaenglich, dass alle Arten des Betens, Verehren oder andere religioese Zeremonien, wie fasten, verbrennen von Raeucherwerk, Mantras rezitieren, singen, tanzen usw. ausgesetzt werden muessen.
Alle andere Meditationstechniken oder spirituelle Praktiken, sollte fuer diese Zeit entsagt werden. Diese Regel wurde nicht dafuer erstellt um andere Methoden schlecht zu machen, jedoch um der Technik des Vipassana in seiner reinen Form eine faire Chance der Erprobung zu geben.
Dem Schueler wird weiterhin strengstens empfohlen das Vermischen von anderen Techniken, mit der Vipassana-Methode zu unterlassen, da dies den Vortschritt behindern wird oder sogar ins Gegenteil umschlagen kann.
Trotz einiger Hinweise von Lehrern gab es Faelle in denen Schueler in der Vergangenheit intuitiv andere Techniken mit eingeflochten haben und sich dadurch grossen Schaden zugefuegt haben. Jede aufkommende Zweifel oder Verwirrungen, sollten immer waehrend der Besprechung mit dem Lehrer geklaert werden.
Um fuer solche Gesprache mit dem Lehrer in Kontakt treten zu koennen, wurde die Zeit zwischen 12 Uhr und 13 Uhr fuer private Interviews reserviert. Des weiteren koennen Fragen ebenso in der „Oeffentlichkeit“ zwischen 21 Uhr und 21:30 Uhr in der Meditationshalle gestellt werden.
Die Gespraeche sind einzig und allein dafuer da, um aktuelle Fragen zu Problemen bezueglich der Ausuebung der Praktiken, zu stellen. Sie sollen nicht als eine Moeglichkeit angesehen werden um zu philosophischen Diskussionen oder intellektuellen Argumentationen zu fuehren. Denn die einzigartige Natur der Vipassana-Meditation kann nur gewertschaetzt werden, wenn man sie in die Praxis umsetzt. Nur darauf sollten sich die Teilnehmer konzentrieren, und auf nichts anderes.
Dazu gehoert vor allem die sogenannte „Edle Stille“. Alle Schueler werden folglich darum gebeten “Edle Stille” zu bewahren, von Beginn des Kurses bis zum Morgen des letzten Tages. Dabei bedeutet „Edle Stille“ :
• Stille des Koerpers
• Stille der Sprache
• Stille des Geistes
Jede Form der Kommunikation mit Kommilitonen, sei es durch Gesten, Zeichensprache, Notizen usw. ist strengstens verboten.
Jedoch ist es den Schuelern gestattet jederzeit mit dem Lehrer oder dem Management zu sprechen, sofern es irgenwelche Probleme bezueglich des Essen, der Unterkunft, der Gesundheit usw. geben sollte. Aber selbst diese Kontakte sollten auf ein Minimum reduziert werden. Jeder sollte das Gefuehl entwickeln in voelloger Isolation zu arbeiten.
Duch das viele Meditieren und demzufolge Sitzen, kann der ein oder andere durchaus das Gefuehl bekommen etwas Yoga zu betreiben, oder sich anderweitig koerperlich zu betaetigen. Obwohl es theoretisch moeglich waere Yoga mit Vipassana zu verbinden, sollten sie dennoch unterlassen werden, da es keine dafuer geeigneten Raeume gibt. Joggen ist demzufolge auch nicht gestattet. Um sich dennoch etwas zu bewegen, ist es den Schuelern gestattet sich waehrend der Ruhepausen in den dafuer vorgesehenen Gebieten zu spazieren.
Um die hier oft zitierte Reinheit der Methode zu wahren, ist es nur konsequent und logisch, dass alle religioesen Objekte wie Rosenkraenze, Kristalle, Talismaenner usw. nicht mit zum Kurs gebracht werden. Sollten sie dennoch unvermeidlich mitgebracht werden, so muessen sie fuer die Dauer des Kurses beim Management abgegeben werden.
Es duerfte sich jawohl von selbst verstehen, dass keine Drogen, kein Alkohol, kein Kautabak oder andere Rauschmittel mit ins Gelaende gebracht werden duerfen. Dies gilt genauso fuer Beruhigungsmittel, Schlaftabletten und alle anderen sedierenden Medikamente. Diejenigen, welche Medizin nehmen muessen, sollten unbedingt den Lehrer darueber informieren. Fuer die Gesundheit und zum Wohle aller Studenten ist es nicht erlaubt alles Rauchbare, Kautabak und/oder Schnupftabak mitzubringen
Beim Essen ist es nicht moeglich fuer spezielle Wuensche oder Notwendigkeiten aller Meditierender zu sorgen. Die Schueler werden aus diesem Grund gebeten, fuer die Zeit des Kurses sich mit einfachen vegetarischen Gerichten zufrieden zu geben, welche vom Veranstalter gestellt werden. Das Management ist durchaus bemueht ein ausgewogenes, naehrreiches Menue zusammenzustellen, welches fuer Meditation geeignet ist. Sollte es aus gesundheitlichen Gruenden erforderlich sein eine bestimmte Diaet einzuhalten, so muss dies zum Zeitpunkt der Anmeldung angegeben werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kleidung. Sie sollte einfach sein, angemessen aber vor allem – bequem. Enge, durchsichtige, entbloessende oder anderweitig aufreizende Bekleidung wie kurze Hosen, Minirock, Leggins, aermellose oder Spaghettitraeger-Tops sollten nicht getragen werden. Sich in der Sonne zu braeunen oder teilweise Nacktheit ist nicht gestattet. Es ist von groesster Wichtigkeit die Ablenkung andere auf ein Minimum zu reduzieren.
Wie schon erwaehnt, sollte man so meditieren, als wuerde man sich irgendwo, komplett isoliert von allem, in einer Hoehle zum Beispiel, aufhalten. Schueler duerfen sich folglich nur innerhalb der Genzen des Meditationszentrums bewegen und nur mit spezieller Zustimmung des Lehrers das Gelaende verlassen. Bevor der Kurs zu Ende ist, ist jegliche Kommunikation nach draussen untersagt. Dies beinhaltet Briefe, Telefongespraeche und Besuche. Im Falle eines Notfalls kann ein Freund jederzeit das Management kontaktieren. Um den Geist nicht weiter zu trueben, ist das abspielen von Musik oder sogar das eigene Musizieren nicht gestattet. Weiterhin sollten keine Buecher, Zeitschriften usw., sowie Schreibzeug zum Kurs gebracht werden. Die Meditierenden sollten nicht unnoetig durch fuehren eines Tagebuches oder dem Aufschreiben von Notizen abgelenkt werden. Das Verbot von Lesen und Schreiben soll zum praktizieren der reine Methode ermutigen. Auch Tonbandgeraete und Kameras sollten nicht genutzt werden, ohne die ausdrueckliche Erlaubnis des Lehrers eingeholt zu haben.
Und wie viel kostet jetzt der ganze Spass?
Es ist die grundlegende Einstellung der Buddhisten, dass die Lehre nicht nur den Reichen vorbehalten ist. Jeder kann und soll sie erfahren. Doch in unser heutigen Welt spielt nun einmal Geld schon eine gewisse Rolle. Um also die Tradition zu wahren, werden die Vipassana-Kurse lediglich durch Spenden finanziert. Diese werden wiederum nur von alten Schuelern akzeptiert, zu denen nur Meditierende zaehlen, welche zumindest einen Kurs absolviert haben. Auf diese Weise wird das Zentrum durch jene unterstuetzt und gefoerdert, welche selbst von den Vorzuegen der Vipassana-Meditation ueberzeugt sind. Wuenscht man sich diese Erfahrung auch anderen zu gute kommen lassen, so gibt man so viel, wie es einem als richtig erscheint. Diejenigen, welche zum ersten Mal an einem Kurs teilnehmen geben ihre Spende am Ende des Kurses oder an irgend einem anderen Zeitpunkt danach. Diese Spenden sind die einzigen Einnahmen, durch welche Kurse um die ganze Welt finanziert werden.
Weder der Lehrer oder die Organisatoren erhalten irgend eine Art von Lohn fuer ihre Muehen, da die Verbeitung der Vipassana in seiner Reinheit, unbefleckt von kommerziellen Gedanken geschehen soll. Demzufolge ist es egal ob eine Spende gross oder klein ausfaellt, sie sollte dennoch immer mit dem Wunsch gegeben werden, anderen zu helfen, frei nach dem Motto: „Den Kurs, an welchen ich teilnehmen konnte, wurde durch die Spenden frueherer Teilnehmer ermoeglicht. Um es zukuenftigen Schuelern ebenfalls zu ermoeglichen in diesen Genuss zu kommen, moechte ich etwas geben.“
Um noch einmal klar und deutlich zu sagen, was der Gedanke hinter den Regeln und dem disziplinierten Verhalten steckt, moechte ich hier noch einmal zusammen fassen:
Man sollte bestmoeglich aufpassen, um andere nicht zu stoeren und auch keine Notiz von den Ablenkungen der anderen nehmen.
Es koennte passieren, das Schueler nicht die praktichen Nutzen von einer oder mehrerer Regeln verstehen. Sollte dies der Fall sein, sollte man sofort zur Klaerung den Lehrer aufsuchen, um es negativen Gedanken oder Zweifeln nicht zu ermoeglichen an Kraft zu gewinnen
Nur durch gute Disziplin und maximale Anstrengung, welche ein Schueler aufbringen kann werden bestmoegliche Ergebnisse erzielt. Vipassana ist harte Arbeit. Glueck kommt nicht von allein, man muss es sich verdienen. Eine goldene Regel ist es, so zu meditieren, als ob man allein waere, mit den Gedanken einwaerts gerichtet sollten jede Unannehmlichkeiten und Ablenkungen, welchen man ausgesetzt werden wird, ignoriert werden. Letztendlich sollte sich jeder Schueler darueber bewusst sein, dass der Fortschritt, welchen man waehrend der Vipassana macht, einzig und allein von den Qualitaeten des Einzelnen, der persoenlichen Entwicklung und den fuenf Faktoren – aufrichtigem Bemuehen, Zuversicht, Aufrichtigkeit, Gesundheit und Weisheit – abhaengt.
Des weiteren wuenscht der Veranstalter jedem maximale Erfolge, Friede und Harmonie welche man durch Vipassana erfahren soll – Danke lieber Veranstalter.
Dann kann es ja losgehen. Fuer den Zeitraum vom 15. – 26. Dezember des Jahres 2008, habe ich mich fuer einen solchen Kurs angemeldet. Ich werde also Weihnachten in diesem Jahr nur mit mir selber feiern, oder eigentlich ueberhaupt nicht. Dies ist eine bewusste Entscheidung und ich habe den Termin mit voller Absicht so gewaehlt. Ohne Familie, Freunde, weihnachtlicher Musik, Stollen, Lebkuchen, Schnupfen und Schnee ist Weihnachten fuer mich nun einmal kein Weihnachten. In Australien verbrachte ich die Feiertage auf „Fraser Island“, der weltgroessten Insel die nur aus Sand besteht. Wir sassen bei gefuehlten 40 Grad Celsius am Strand, und um wenigstens etwas Stimmung aufkommen zu lassen, setzten wir uns knallrote Zipfelmuetzen auf. Das einzige was in diesem Moment schneeweiss war, war der Sand. Auch der Schnupfen und eine tropfende Nase suchte man vergebens. Das einzige, was tropfte war der Schweiss von unserer Stirn. Der Stollen hatte Hot-Dog-Form angenommen und das Christkind kam im schicken Badeanzug, der allseits beliebten australischen Firma „Billabong“. Schon vorher, in der treffend bezeichneten Vorweihnachtszeit, fuehlte man sich permanent verarscht, als man mit Badehose, Flip-Flops und verschwitztem T-Shirt in den Supermarkt schlenderte und einem ein Weihnachts-Hit nach dem anderen aufs Trommelfell prallte. Dieses Mal wuerde ich das ganz anders angehen, auf eine dennoch besinnliche Art und doch etwas anderes. Um mich koerperlich, sowie geistig auf die definitiv kommenden Strapazen vorzubereiten, traf ich einige Vorkehrungen. Jeden Morgen um 7 klingelte der Wecker, Zeit zum Meditieren, bis Acht, denn dann klopfts immer an der Tuer und Chai wird serviert. Meistens stehe ich beim Klopfen auf. Ich liebe es zu schlafen und 12 Stunden Dauerschlaf sind durchaus kein Problem. Wenn ich nicht unbedingt muss, bleibe ich liegen, stelle den Wecker auf „Spaeter“ oder „Irgendwann“, drehe mich um und schlafe weiter. Alle, am Abend zuvor getroffenen guten Vorsaetze, werden kurzerhand ueber Bord geworfen. Mein innerer Schweinehund siegt, und das schon seit Jahren. Dennoch, vereinzelt schaffe ich es dennoch mich zur morgendlichen Meditation aufzuraffen. Dies gelingt meist nur an jenen Tagen, an welchen ich so dringend auf’s Klo muss, dass ich nicht mehr schlafen kann. Ich setze mich auf mein Kissen, welches auf der Matratze vor meinem „Altar“ liegt. Mein Altar ist nicht wirklich nach den Vorschriften aufgebaut. Er beinhaltet eine Art kleinen Wandteppich mit buddhistischem Abbild, einer kleinen Buddhastatue aus Ton, die mir ein Moench schenkte und zwei, der hier ueblichen kleinen Metalltassen, um Raeucherstaebchen abzubrennen. Sein Zweck ist es, fuer mich eine Art zusaetzliche Motivation zu schaffen, um mir Zeit zum Meditieren zu nehmen und um die dafuer guenstige Atmosphaere zu schaffen. Ich lasse mich also auf das Kissen nieder und zwinge meine Beine in die richtige Position. „Zwingen“ ist genau das richtige Wort, denn freiwillig wuerden sie nie im Leben solche Verraenkungen mitmachen. Meine Knie Schmerzen, wenn ich Versuche den sogenannten halben Lotussitz einzunehmen. Dabei soll die Ferse des einen Beines auf dem Oberschenkel des anderen Beines zum Liegen kommen. Beim vollen Lotussitz kommen dann beide Fersen auf dem jeweils anderen Oberschenkel zur Ruhe. Doch von Ruhe ist nicht zu reden. Ich bin so verkuerzt, meine Muskulatur sowas von ungedehnt, dass mein linkes Knie in der Luft haengt. Nur mit etwas Druck und ein wenig Geduld, beruehrt es endlich die Unterlage. Zwanzig Minuten halte ich so durch, spaetestens nach dreissig ist Schluss. Dann muss ich mich entknoten. Dies ist mindestens genauso unangenehm wie das gewaltsame Einnehmen der Position. Fuesse und Beine sind eingeschlafen und schmerzen bei jeder Bewegung. An schnelles aufstehen und los spazieren ist nicht im geringsten zu denken – Shanti Shanti. Doch ueber die Tage merkt man schon Vortschritte. Der Schmerz wird weniger, der Sitz „bequemer“, meine Knie koennen sich immer schneller entspannen. Auch wenn ich es nicht bis zum Kurs schaffen werde, den halben Lotussitz bequem ueber Stunden halten zu koennen, so bereitet er mich dennoch optimal vor, dass dies im allgemein bekannten Schneidersitz moeglich ist. Es ist wie eine Rangliste. Zuerst kommt der Schneidersitz, dann der halbe- und dann der volle Lotussitz. Erst wenn man einen bequem einnehmen kann, sollte man sich an den naechsten Wagen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, wenn ich den halben Lotus trainiere, mich damit dehne, ich ohne Probleme den Schneidersitz einnehmen kann. Und genau das ist mein Plan. Auch gehe ich regelmaessig Joggen un Dehne mich mindestens eine halbe Stunde, denn die Muskulatur ist nun optimal aufgewaermt. Ich uebe mich im Spagat, dehne meine innenrotatorisch wirkende Hueftmuskulatur und den an der Vorderseite des Oberschenkels liegenden Musculus quadrizeps femoris. Auch zum lesen nehme ich immer oefters den halben Lotus ein. Das Lesen lenkt von den Unannehmlichkeiten ab und gleichzeitig dehne ich alle notwendigen Muskeln. Dennoch, es ist und bleibt ein langer Weg um wirklich 4 Stunden am Stueck ruhig zu verharren und sich dabei, vom Schmerz unbeeinruckt, zu konzentrieren. Doch bis es soweit ist, geht noch einige Zeit ins Land, denn momentan, beim Schreiben dieser Zeilen, ist es Oktober.
Vom koerperlichen einmal abgesehen, scheint es mir am sinnvollsten eine einfache Atemmeditation zu praktizieren. Man nimmt Platz, wippt leicht mit dem Oberkoerper vor und zurueck, um seine Mitte zu finden in der man mit geringsten Kraftaufwand, die Schwerkraft nutzend, fuer laengere Zeit sitzen kann. Die rechte Hand legt sich in die Linke auf Hoehe der Blase. Zur Regulation der Waerme koennen die Arme nach belieben leicht abgewinkelt werden. Wie an einem, am Scheitel befestigten, unsichtbaren Faden, wird man nach oben gezogen. Die Wirbelsaeule richtet sich auf, das Kinn naehert sich dem Kehlkopf. Die Zunge liegt an der Innenseite der oberen Schneidezaehne um Speichel abzuleiten und so irritierendes Schlucken zu verhindern. Die Wangen sind entspannt und der Unterkiefer haengt locker herab, ohne dass sich dabei der Mund oeffnet. Der Blick ist etwa eine Koerperlaenge vor uns auf den Boden gerichtet. Wahlweise koennen die Augen geschlossen werden, wobei jedoch ein kleiner Spalt zum Lichteinfall, um dem Einschlafen und Ermueden vorzubeugen, offen bleiben sollte. Der Geist richtet sich auf die Nase, an jene Stelle, wo man die einstroemende Luft spuehrt und sie nach kurzem verweilen in der Lunge, den Koerper wieder verlaesst. So einfach wie dies erscheinen mag, so schwierig ist es. Unser Geist ist wie ein kleines Kind. Kaum spielt er mit etwas, verliert er schon bald die Lust daran und huepft wie ein junges Reh zum naechsten Objekt. Sollte man es schaffen sich bereits ohne Ablenkung fuer nur eine Minute auf den Atem konzentrieren zu koennen, so ist dies schon eine erheblich Leistung. Dieses fokusierte Konzentrieren ist die Vorraussetzung fuer alle weiteren Meditiationen, denn bei jeder lenkt man seinen Geist auf ein bestimmtes Objekt und verweilt darauf. Aus diesem Grund schien mir diese Meditation als die, zur Vorbereitung am geeignetste.
Ob sich dies alles auszahlt wird die Zukunft zeigen. Egal mit welchem Ergebnis ich aus dem Kurs raus geh, es wird in jedem Fall eine besondere Erfahrung sein. Mit der Einstellung kann man doch nur gewinnen, oder?

1 Kommentar:

sawat-dee kha hat gesagt…

Achja und noch was:

Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte.
Ich bin sehr beeindruckt von deinen Aufnahmen.

Gruss