Montag, 15. September 2008

The Golden Temple

















Am Freitag Abend, nachdem wir das Programm von FSL India gespannt verfoglt haben, machten Corny und ich uns auf den Weg, natuerlich nicht ohne ausreichend zu Abend gegessen zu haben, nach Bylakuppe. Wir nahmen den Nachtbus nach Madikeri. Die Fahrt war recht entspannt. Nachts zu reisen ist so angenehm. Man kann schlafen, verschwendet keine Zeit und kommt frisch und munter am Zielort an - soweit die Theorie. Die Fahrt war schon recht angenehm, aber an erholsamen Schlaf war nicht zu denken. Regelmaessig wurde man durch Schlagloecher wach geruettelt, und wenn man frueh um 3, im kalten Regen der Hochebene, wenn keine Menschenseele unterwegs ist sich versucht zurecht zu finden, dann sieht so die Praxis aus. Aber hey, genau dass ist doch der Spass an der Sache. Wie so oft, war der erste Anblick eines Einheimischen eine Kuh. Friedlich unter dem Schutz eines Daches vor sich hin doesend. Von Joy, einem Mitarbeiter von FSL, hatten wir einige Info's, was sich lohnt in Madikeri zu besichtigen. So liefen wir durch die dunkle Nacht, kalt, nass und hungrig um uns unter anderem den Raja Seat - ein einfacher Zement-Klotz und Gadduge - eine alte muslimische Grabstaedte - anzusehen. Der Tag brach an und wir waermten uns mit einem heissen Chai. Um etwas Landschaft zu sehen, machten wir uns auf den Weg zu den Abbi Falls. Wir folgten den Schildern solang dies moeglich war und bogen dann irgendwann in den Regenwald ab. Nach weiteren 30 Minuten bemerkten wir, dass wir nicht die einzigen waren, welche sich um diese Zeit auf den Weg machten - wir hatten Gesellschaft. Viele kleine Blutegel fuhren per Anhalter auf unseren Fuessen mit. Frei nach dem Motto - wer nicht zahlt, faehrt nicht mit - schnippsten wir die Hitchhiker davon und kehrten auf den Weg zurueck, denn offensichtlich kamen wir so nicht zu den Faellen. Wir folgten wieder der Strasse und kamen nach weiteren 30 Minuten zu einem betonierten Weg - zu den Faellen. Nach einer kurzen Fotosession mit den Einheimischen - wir waren die Attraktion - gings weiter. Sie warnten uns noch vor den Blutekeln und zeigten uns wie man sie mittels einer Zigarette vom Koerper loesen konnte - diese Info erreichte uns leider zu spaet. Die Faelle selber waren weniger beeindruckend - halt Wasser, welches ueber einen Stein nach unten faellt. Fuer den Rueckweg zeigten uns die Einheimischen eine Abkuerzung. Ueber einen klitschigen, nassen und faulen Baumstamm, welcher ueber einen Fluss fuehrte begann der Rueckweg. Von kurz war keine Spur. Nach 8 Stunden Fussmarsch kamen wir wieder um 11 Uhr in Madikeri an - erstmal essen. Danach ging es mit dem Bus weiter nach Kushalnagar. Joy gab uns auch eine Adresse in welcher wir schlafen konnten. Fuer 150 Rupee pro Nacht pro Person buchten wir uns ein Zimmer. Ohne grossen Aufenthalt ging es gleich mti der Riksha weiter nach Bylakuppe, zum Goldenen Tempel. Auf einem kleinen Huegel, zwischen Maisfeldern gelegen, ragte der Tempel. Den Weg saeumten einige Gebetsfahnen und die Anzahl der in weinrot udn orange gekleidetebn Moenche nahm stark zu. Der Tempel selber wirkte wie eine grosse Wohnsiedlung - was er ja auch letztendlich war. Die Tempel waren atemberaubend. Mit viel Hingabe, Fantasie und Mut zu bunten Farben wurden sie von den vertriebenen, im Exil lebenden Tibetern erbaut. Der Haupttempel war eine einzige grosse Halle, nur Matten und kleine Tischchen bedeckten den Boden. Am Ende ragten 3 riesige Buddha-Statuen empor, komplett in Gold gehuellt. An den Saeulen wanden sich schlangenaehnliche Drachen zur Decke empor, alles in schillernden Farben. Die Waende waren mit unzaehligen Bildnissen von Buddha bemalt und Voegel flogen unbeschwert durch den grossen Saal. Der Tempel oder die G\gesamte Anlage hatte ihre ganz eigene Atmosphaere. Im Gegensatz zu Indien war sie asolut sauber. Der Rasen sah frisch, kuschelig weich und herrlich gruen aus. Kleine tibetische Novizen vertrieben sich die Zeit mit komplizierten Murmelspielen oder spielten Fange mit einem Seil - ueberall konnte man ihr Gelaechter hoeren. Als wir so im Tempel sassen und einfach die Ruhe genossen, stroemten 1000-de Moenche in den Saal. In einer disziplinierten Weise setzte sich jeder auf seinen, ihm zugewiesenen Platz - dann Ruhe - langsam begannen die Trommeln an zu schlagen und tibetische Texte wurden von allen synchron rezitiert. Unterbrochen von grossen und kleinen Trommeln - dauerte die Prozedur wohl mindestens eine Stunde - wir blieben nicht bis zum Schluss. Aber wie in jedem Unterricht, gibt es auch unter den Moenchen die Luemmel von der letzten Bank. Da gab es den Schleimer - dieser rezitierte nur dann mit, wenn der Lehrer an ihm vorbei schreitete. Um zu zeigen wie gut er dabei war, schrie er foermlich die Worte nur so raus. Dann waren da noch die Rabauken - sie bewarfen andere mit Papierschnipsel und klauten sich gegenseitig die Gebetstrommeln. Meistens zielten ihre Geschosse auf die Schlaefer, welche den Kopf auf die kleine Holzbank vor ihnen legten und einfach schliefen. Ob Moench oder nicht - Schule macht wohl keinem so richtig Spass - selbst wenn die grosse Abschluss-Pruefung Nirvana heisst.
Nachdem wir uns eine kleine Tasche gekauft hatten, um nicht immer mit unseren europaeischen Rucksaecken durch die Gegend zu laufen, nahmen wir das Abendessen im Tempel ein - Nudeln mit Suppe - lecker. Vollkommen fertig machten wir uns dann wieder auf den Weg ins Hotel. Auf den Weg wurden wir noch Zeuge wie ein Mann einem Moench die Faust ins Gesicht schlug. Unser Rikshafahrer eilte zu Hilfe. Wir stiegen aus, um noch einen kleinen Spaziergang zu machen - wir blieben in einer Juice-Bar haengen. Endlich im Hotel - Tod fielen wir in unsere Betten.
Der naechste Morgen begann um 6.30. Die Sonne lies Nebel aus dem Regenwald aufsteigen und huellte die Stadt in einen beschuetzenden Schleier. Ich verschwand im Bad. Als ich ins Zimmer zurueck kam, kniete Cornz ueber einen Eimer und erleichterte seine Blase - wie auch ich musste er dringend auf's Klo - ich hatte das Glueck schneller zu sein. Ohne grossen Aufenthalt verliessen wir das Zimmer assen Fruehstueck und fuhren wieder zum Tempel. Wieder genossen wir die Atmosphaere und informierten uns ueber die Moeglichkeit fuer eine Woche im Kloster zu leben, zu lernen und zu meditieren und fanden heraus - auch Kloster haben ein Buero, eine Sekretariat und Computer - die Moderne macht vor nichts halt. Langsam wurde es knapp - wir fuhren zurueck zum Hotel, packten und spurteten zum Bus nach Madikeri um den Bus zureuck nach Kundapur um 12 Uhr zu erreichen - die Fahrt dauert 7 Stunden. Nachdem es mittlerweile 13 Uhr war und immer noch kein Bus kam, erfuhren wir, dass der Bus nicht fahren wird. Ab ins Restaurant und erstmal was essen. Wir musste also den Bus nach Mangalore nehmen und dort umsteigen. Die Fahrt dauerte 6 Stunden und ich sass neben einem sehr dicken Inder - dementsprechend bequem war auch meine Sitzposition. Endlich eingeschlafen, traeumte ich davon fliegen zu koennen. Einfach schwerelos zu schweben und der Gravitation ins Gesicht zu lachen - bald merkte ich - es war kein Traum. Ich wachte gut einen Meter ueber meinem Sitz schwebend auf. Grund dafuer war das Schlagloch, welches der Bus aus voller Fahrt soeben passierte und uns alle noch oben katapultuierte. Schmerzhaft schlug ich auf den Sitz auf - aufgewacht. Die hinteren Plaetze sind in indischen Bussen sehr unbeliebt und ich wusste nun warum. Die besten Sitze befinden sich einfach in der Mitte. Endlich in Mangalore angekommen, stiegen wir sofort in den Bus nach Kundapur. Es war heiss, stickig und schwitzende Leute sassen neben einen. Die Fahrt dauerte 2,5 Stunden. Stand der Bus war die Luft kaum zum aushalten, die frische Brise der Fahrt fehlte einfach, um den Luftaustausch zu gewaehrleisten.
Ednlich in Kundapur - es war 22 Uhr und alle Restaurants haben geschlossen. Zum Glueck fand ich noch eins und schlang mir den Kokusnuss-Lemon-Reis nur so hinter. Zurueck in meinem Haus stellte ich fest, dass sich ueber das Wochenende eine flaechige Schimmel-Pilz-Decke ueber meinen gesamten Rucksack ausgebreitet hatte - soviel zum Thema schnell ins Bett. Ich wusch den Rucksack und meine dreckigen Hemden und viel 23 Uhr Tod ins Bett.
Heute Abend geht es nun nach Bangalore um morgen weiter nach Gauribidanur zu fahren. Bin ja mal gespannt. Die Fahrt findet in einen sogenannten Sleeper-Bus statt. Ein Bus mit Schlafliegen.
Soweit fuer heute. Melde mich wieder aus meinem Projekt.

LG, euer Mischa